Annika Bengtzon (8): Schlagzeilendiebstahl
Eine Wissenschaftlerin erzählt Annika Bengtzon vom Schnüffeln und Belauern unter den Forschern; sie gibt den Rat ihres Doktorvaters weiter, alle Blätter umzudrehen, wenn man seinen Schreibtisch verlasse, und niemanden zu erzählen, was man gerade mache. Aber selbst Professoren klauten die Ergebnisse ihrer Doktoranden.
„Ach herrje“, sagte Annika. „Ich dachte, Schlagzeilendiebstahl gäbe es nur in meiner Branche.“
(aus Liza Marklunds Krimi „Nobels Testament“, Seite 235)
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Die Schlagzeile
Darf man die gleiche Geschichte mehrmals zum Aufmacher erheben? An drei aufeinander folgenden Tagen auf Seite eins? Nein, am dritten Tag ging der Verkauf fast immer zurück, auch wenn die Geschichte immer noch gut war. „Die Hauptschlagzeile am dritten Tag zu wechseln, war Grundregel Nummer eins.“
(Paradies 418)
Annika Bengtzon (7): Journalisten als Gewerkschaftler – quengelig, unbegabt, arbeitsscheu
Wer wird neuer Betriebsrats-Vorsitzender? Ein Politikredakteur wird vorgeschlagen. Der besitzt doch keine Eigenschaft dafür, sinniert der Chefredakteur. „Sjölander war smart, witzig und beliebt. Solche Leute blieben nie lange Gewerkschaftsfunktionäre. Wer sich entschied, die Gewerkschaftsarbeit zum Hauptberuf zu machen, war meistens quengelig, unbegabt oder arbeitsscheu.“
(Lebenslänglich, 206)
Und das im Roman von Liza Marklund, einer schwedischen Autorin!
Annika Bengtzon (6): Der Chefredakteur – eine tragische Figur („Ohne uns wäre die Demokratie zerbrechlicher“)
In den österlichen TV-Filmen mit der Reporterin Annika Bengtzon ist der Chefredakteur ein verhuschter Mann im Hintergrund, während der Nachrichtenchef als ein netter Bär durch die Redaktion tappst, Aufträge verteilt, aber hübsch unverbindlich bleibt.
In den Romanen von Liza Marklund ist der Chefredakteur eine nachdenkliche, aber gebrochene Persönlichkeit, der an sich, der Welt, der Zukunft und an seiner Redaktion zweifelt; dagegen ist der Nachrichtenchef der „Mann mit Schwedens schlechtestem Urteilsvermögen“.
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„Das ist wirklich nicht meine Welt“, resigniert der Chefredakteur Schyman angesichts des Terrorismus und des Sicherheitswahns als Reaktion der westlichen Welt. „Wo Terrorismus beginnt, stirbt die Freiheit des Individuums“
Wo aber die Freiheit beschnitten wird, gerät auch der Journalismus in Gefahr, wird „das Prinzip der Öffentlichkeit eine leere Hülle“. Er verfällt in Selbstmitleid:
Um die Interessen der neuen Zeit wahrzunehmen, bedarf es vermutlich eines neuen Schlags von Journalisten, und die brauchen wohl eine neue Art der Führung. (Nobels Testament, Seite 38f.)
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Als Schyman Chefredakteur wird und alle in den neuen Nachrichtenraum umziehen, gibt er sein protziges Büro auf; er bezieht am Rande des Nachrichtenraums ein „anspruchsloses Kämmerchen“, in dem er dem Aufsichtsratsvorsitzenden nicht einmal einen Besucherstuhl anbieten kann.
In einem bizarren Gespräch mit dem Aufsichtsrats-Vorsitzenden zeigt der Chefredakteur die neuen, engen und billigen Redaktionsräume, preist die Effizienz, während der Aufsichtsrat wissen will, warum kein Redakteur die Kompetenz habe, über den Justizombudsmann zu schreiben.
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Als der Chefredakteur angewiesen wird, sechzig Stellen zu sparen, überlegt er, den Hut zu nehmen – aber gibt sich nicht der Illusion hin, unersetzlich zu sein: „Jeder Hanswurst konnte eine Zeitung machen.“ (Lebenslänglich 116)
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Der Chefredakteur zweifelt nach all den Veränderungen, die er angeordnet hat, an sich selber:
Ich habe in der letzten Zeit ein hohes Tempo vorgelegt. Rein inhaltlich haben die Veränderungen die Zeitung mehr beeinträchtigt, als ich dachte. Manchmal werde ich das Gefühl nicht los, dass wir die Seele der Zeitung verloren haben. Dass wir eine Menge Kanäle aufbauen und vergessen, wofür. (Nobels Testament 216)
Dies Zitat beendete auch meine Dankesrede zur Verleihung des Deutschen Lokaljournalistenpreises 2009 an die Braunschweiger Zeitung.
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Am Ende des Romans „Nobels Testament“ verwandelt Liza Marklund den Chefredakteur in eine tragische Figur, der sich die Frage stellt, warum er nicht aufgebe – und der sich als Antwort an den Satz eines Kriegskorrespondenten erinnert:
Es ist niemals schwer, aufzustehen, wenn Krieg ist. Aber in Friedenszeiten möchte man sich einfach hinlegen und sterben.
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Als sich der Chefredakteur über „die beste Nummer in der Geschichte dieser Zeitung“ freut, barfuß auf den Newsdesk klettert, werfen sich die Angestellten peinlich berührte Blicke zu – denn „die meisten von ihnen hatten nichts mit diesem angestaubten Papierkram zu tun, sie arbeiteten für das Web, das Lokalfernsehen, das kommerzielle Radio oder für irgendeine Hochglanzbeilage. Kaum einer von ihnen las die Zeitung“.
Einer der Reporter, der die Szene mit verschränkten Armen verfolgt, fragt, ob der Chefredakteur die Gegenwart noch ganz im Griff habe.
„Ich glaube, er ahnt es“, sagte Annika. „Er muss den Journalismus wieder zum Mittelpunkt machen.“
„Du meinst, es ist wichtig, was wir sagen, nicht, auf welcher Frequenz wir es senden?“
„So ungefähr“, sagte Annika.(Nobels Testament 379ff.)
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Die Entlassungen in der Redaktion bringen den fast sechzigjährigen Chefredakteur an den Rand seiner Nerven, wie er Annika gesteht. Dennoch:
Ich liebe diese Zeitung. Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde, aber es ist wirklich wahr. Ich weiß, dass wir Fehler machen und oft zu weit gehen, und manchmal stellen wir Leute auf eine Weise bloß, die wirklich zum Kotzen ist, aber wir erfüllen eine Funktion. Ohne uns wäre die Demokratie zerbrechlicher. Ohne uns wäre die Gesellschaft härter und brutaler.
Ich wünschte, Sie hätten recht, sagte Annika. Aber ich bin mir nicht sicher.
(Lebenslänglich 488)
Annika Bengtzon (5): Flanelllappen und Konferenzen, nichts als Konferenzen!
Der erste Chefredakteur in Liza Marklunds Journalisten-Krimis, Schymans Vorgänger also, lud die Redaktionsleitung jeden Dienstag- und Freitagnachmittag zu Teilchen, Biskuit und Kaffee, um Kampagnen und Strategien zu besprechen. Alle trugen ein dunkelblaues Flanellsakko – und wurden in der Redaktion „Flanelllappen“ genannt.
Alle in der Redaktionsleitung waren „Fürsten auf ihrem Gebiet“:
Keiner von ihnen wollte dem anderen Macht oder Einfluss abtreten. Deshalb konnte es in extremen Fällen sogar so weit kommen, dass die einzelnen Ressort- und Schichtleiter ihre Nachrichten für sich behielten, um sie als Erste in der eigenen Redaktion zu bringen.
Das verhindert die Zusammenarbeit, stellt Schyman fest, bevor er Chefredakteur wurde. Er will die Macht brechen, die endlosen Konferenzen beenden und stellvertretende Chefredakteure einführen.
Aber es blieb dabei, er saß den ganzen Tag in Besprechungen, bekam schlechte Laune und fragte sich: „Wie schaffte man es bloß, eine Zeitung zu produzieren, wenn alle die ganze Zeit über nur herumsaßen und schwafelten?“ (Paradies 334)
Anders Schyman ging mit dem gleichen Gefühl von Frustration zu seinem Büro zurück, das ihn noch jedes Mal nach den Planungsbesprechungen überkommen hatte. Die schematische Aufteilung der Wirklichkeit durch die redaktionellen Leiter der Zeitung, ihre homogen-inzestuöse Sicht der Dinge, der entsetzliche Mangel an Selbstkritik ermüdeten ihn.
(Paradies 115ff.)
Konferenzen als Zeitfresser – davon handelt auch ein Artikel über Redaktionsgemeinschaften, erschienen auf der Medienseite der Süddeutschen nach dem Scheitern von Frankfurter Rundschau und FTD:
„Da ist ein Riesenapparat mit vielen Reibungsverlusten entstanden“, sagt ein Mitarbeiter. Viele Journalisten säßen seither den halben Tag in Konferenzen und seien derart mit der Organisation beschäftigt, dass sie kaum noch Lust hätten, die Sitzungen mit inhaltlichen Debatten zu verlängern… Man darf sich die Redaktionsgemeinschaft nicht als harmonischen Ort vorstellen.“ (SZ, 23.11.2012)
Annika Bengtzon (4): Reporter, Maulwürfe und das Web
Für den Chefredakteur in Liza Marklunds Kriminalromanen ist „richtiger Journalismus“ die Arbeit der Reporter – „richtige Maulwurfsarbeit… zu wissen, wie man dem Justizobmann einen Tag früher als geplant einen Bericht aus dem Kreuz leiert“. Als der Chef Annika Bengtzon in die Redaktion zurückholt, gibt er ihr eine Tasche mit einem neuen Laptop:
Von nun an sind Sie Tagesreporter, Sie haben flexible Arbeitszeiten und einen freien Arbeitsplatz, müssen aber dem Desk zur Verfügung stehen. Sie dürfen nicht in der Weltgeschichte herumfahren, ohne dass wir wissen, wo Sie sind und was Sie tun. Und wenn Sie in der Redaktion arbeiten müssen, gibt es eigens dafür eingerichtete Plätze, die den Tagesreportern zugedacht sind, jedenfalls vorerst. Wir werden sehen, wie viel genutzt werden. (Nobels Testament, 214f.)
Der Nachteil der wechselnden Arbeitsplätze: Keiner räumt auf – wie in einer WG. Annika findet Apfelgehäuse, Notizen und alte Kaffeebecher.“ Jetzt würde sie also auch noch bei der Arbeit zur Putzfrau mutieren. Sie biss die Zähne zusammen, nahm einen Papierkorb und fegte alles unsortiert hinein. Dann holte sie ein feuchtes Papierhandtuch vom Damenklo und wischte die Kaffeeflecken und Apfelreste von einem der Tische. Schließlich packte sie ihren Laptop aus.“ (Nobels Testament 349)
Aus den Einzelplätzen wird – einen Roman später in „Lebenslänglich“ – ein langer Arbeitstisch für die Tagesreporter, an dem sie offenbar gemeinsam sitzen.
Reporter und Pressekonferenzen
In Pressekonferenzen hatten Reporter etwas Undurchdringliches, nie würden sie zulassen, dass ihre Körpersprache eine Gefühlsregung verriet.
(Nobels Testament 105)
Die Reporter und das Web
Ein wenig verzweifelt wirkt er schon, der Chefredakteur, als er seine, in die Zeitung verliebten Reporter ermahnt:
Denkt ans Web, wenn ihr unterwegs seid. Deadline gibt es nicht mehr, es wird ständig aktualisiert. Das hier ist Teamwork, vergesst das nicht!
Das hat Liza Marklund vor sieben Jahren geschrieben, durch viele Redaktionen schallt dieser Ruf immer noch, ebenso viele Redaktionen warten noch darauf.
Annika Bengtzon (3): Der neue Nachrichtenraum – groß, enger, billiger
„Diese Zeitung braucht mehr Disziplin. Die Organisation funktioniert nicht mehr, das muss überdacht werden. In Zukunft wird alles anders aussehen“, denkt der Chefredakteur, als die Reporter wieder einmal selber entschieden, welche Themen sie recherchieren werden.
Er lässt einen neuen Nachrichtenraum bauen: Es gibt für alle keine Einzelzimmer mehr, es gibt für alle weniger Platz, auch für die Chefs; im alten Zimmer des Chefredakteurs kommt die komplette Sportredaktion unter; auf einer Seite der Redaktion, in den alten Büros der Tagesreporter, wird die Marketingabteilung untergebracht; im Pausenraum entsteht ein TV-Studio.
(nach Liza Marklunds „Nobels Testament“, Seite 63, Taschenbuch 2008)
Annika Bengtzon: Journalismus und Wahrheit („In die Zeitung kommen ist nicht das Gleiche, wie in der Scheiße landen“)
Immer wieder geht es in den Krimis der schwedischen Autorin Liza Marklund um die Wahrheit und den Journalismus; ihre Hauptfigur ist die Boulevard-Reporterin Annika Bengtzon. „Mein einziger Auftraggeber ist die Wahrheit“, antwortet Annika einem alten Offizier, der in einem Wutanfall geschrien hatte: „Journalisten sind Lakaien, genau wie Soldaten. Nur dass ihr mit Lügen statt mit Waffen kämpft.“
Der Offizier versteht nicht, wie eine Zeitung, die man kaufen muss, frei sein kann: „Ihre Stimme ist gekauft, korrupt, verlogen.“ Doch dann erzählt er der Reporterin doch von der Mafia und ihren dunklen Geschäften – und Annika fragt ihn, ob die Mafia sie nach der Veröffentlichung verfolgen würde.
Der alte Offizier sieht sie müde an und fragt sie:
Sie haben Angst um Ihre Haut? Sind Sie etwa wichtiger als die Wahrheit? Kann Ihr Staat aus freien Bürgern sich nicht um Sie kümmern und Sie beschützen?
(Paradies 448ff., zitiert nach dem Taschenbuch, 2005)
Die TV-Filme über Ostern mit Annika Bengtzon sind ein Anlass, noch einmal in den Journalisten-Krimis von Liza Marklund zu schmökern. In den nächsten Tagen werde ich in meinem Blog ein paar Themen aus diesen drei Romanen aufgreifen: Paradies / Nobels Testament (der ergiebigste aus journalistischer Sicht) / Lebenslänglich.
In „Nobels Testament“ begegnet Annika einem hohen Beamten aus dem Justizministerium – einem der mitwirkt, die Privatsphäre der Bürger durch Kontrolle und Gesetz einzuschränken. Annika erzählt ihm, sie schreibe meistens über Gewalt und Politik.
„Na, so was“, sagte Larsson. „Sie könnten oben bei uns arbeiten.“
Annika stellte ihr Glas ab. „Wir verletzen beide die Privatsphäre von Menschen, wenn auch auf unterschiedliche Weise, ist es das, was Sie meinen?“
„Sie stellen sie in der Öffentlichkeit bloß, und wir sorgen dafür, dass sie in den Knast wandern?“, sagte Jimmy Halenius (Staatssekretär).
Zu ihrer eigenen Überraschung musste Annika lachen.
(Nobels Testament 305, zitiert nach dem Taschenbuch von 2008)
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Unter den Ressortleitern entbrennt ein Streit, ob man von einer Frau mit zwielichtigen Geschäften Name und Bild veröffentlichen dürfe. „Warum sollten wir auf diese verdammte Sau Rücksicht nehmen?“, fragt einer. Anders Schyman, der Redaktionsleiter, antwortet:
Weil wir für die Wahrheit sind und nicht gegen den Verbrecher. Weil wir eine ethische und publizistische Verantwortung tragen, weil wir die Macht haben und das Vertrauen genießen, die Wirklichkeit für die Menschen in unserer Gesellschaft zu definieren. Wir werden unsere Macht nicht dazu benutzen, einzelne Personen zu vernichten, egal, ob es sich um Politiker oder Kriminelle oder Prominente handelt. In die Zeitung zu kommen ist nicht das Gleiche, wie in der Scheiße zu landen.
(Paradies 332f.)
Annika Bengtzon: Die gute Journalistin hinter dem TV-Klischee
Annika Bengtzon ist der neue schwedische Krimi-Star, in drei Folgen – auch heute Abend – in der ARD zu sehen: Sie ist blond und charmant, und eine Reporterin, die alle Klischees einer Boulevard-Journalistin erfüllt – aber nur im Fernsehen.
Die Romane von Liza Marklund sind die besten Journalisten-Romane, die es zur Zeit gibt. Die schwedische Schriftstellerin, Jahrgang 1962, hat als Journalistin gearbeitet, kennt sich genau in modernen Redaktionen aus und schildert realistisch die Abläufe, die Probleme und die Gruppendynamik einer Redaktion, aber auch die Sinnkrise des Journalismus, der zur Wahrheit ebenso verpflichtet ist wie zum Erfolg verdammt.
In dem Roman „Paradies“ zeichnet Liza Marklund das Porträt einer guten Journalistin. Für den Chefredakteur ist Annika Bengtzon, die junge, hitzige Textredakteurin, die erste Wahl für die Nachrichtenredaktion:
Sie war nicht sehr gebildet, hatte aber ein Bewusstsein für ethische Fragen. Sie war unbestreitbar von einem großen Gerechtigkeitssinn angetrieben. Sie war schnell und schrieb stilsicher. Außerdem hatte sie etwas von einem Panzer, was für einen Reporter von ungeheurem Vorteil war. Wenn sie ein Hindernis nicht umgehen konnte, walzte sie es platt, gab niemals auf…
Die restliche Redaktionsleitung… war nicht seiner Meinung gewesen. Sie wollten Carl Wennergren einstellen, den Sohn eines Aufsichtsratsmitglieds, einen hübschen und reichen Jungen mit erheblichen moralischen Defiziten. Er nahm es weder mit der Wahrheit noch mit dem Schutz seiner Informanten so genau.
Journalisten und die Seele der Zeitung
Red-Bull-Media-Manager Koppel: „Wenn ihre Journalisten mehrere Kanäle bespielen müssen, dann verliert ihr Produkt die Seele.“
So twittert Daniel Bouhs. Die journalistische Seele entdeckte die Krimi-Autorin Liza Marklund, zitiert habe ich sie in der Dankesrede zum Deutschen-Lokaljournalistenpreis 2009 im Braunschweiger Dom:
Es geht in einem Kriminalroman der schwedischen Autorin Liza Marklund um den Mord bei der Nobelpreis-Feier. Eine Reporterin recherchiert und gerät in eine Reihe von Fallen – auch in der Redaktion. Sie trifft ihren Chefredakteur der – wie meist in Romanen – eine traurige, zumindest eine lästige Figur ist. In einer schwachen Minute sagt er:
„Manchmal werde ich das Gefühl nicht los, dass wir die Seele der Zeitung verloren haben. Dass wir eine Menge Kanäle aufbauen – und vergessen, wofür.“
(zu: Handbuch-Kapitel 5 Die Internet-Revolution + Welche Zukunft hat der Journalismus (Seite 341 ff)
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