Wer zwei Sprachen spicht, fährt besser Auto (Friedhof der Wörter)

Geschrieben am 19. Juli 2015 von Paul-Josef Raue.
Geschrieben am 19. Juli 2015 von Paul-Josef Raue in D. Schreiben und Redigieren, Friedhof der Wörter.
  • Lernen Kinder fremde Sprachen besser als Erwachsene? Nein.
  • Sollen Zweijährige schon Englisch lernen? Nein.
  • Sind Autofahrer, die mehrere Sprachen beherrschen, bessere Autofahrer? Ja.

Heute beerdigen wir keine Wörter, sondern Vorurteile über Sprache und über das Lernen von Fremdsprachen. Der Sprachforscher Kees de Bot hat in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung gleich mehrere Mythen über die Sprache zerstört:

  1. Erwachsene und ältere Kinder lernen erfolgreicher fremde Sprachen als Kinder – wenn man ihnen dieselbe Zeit zum Lernen gäbe.
  2. Kinder mit zwei oder drei Jahren sind so mit dem Erlernen der Muttersprache beschäftigt, dass es sinnlos ist, ihnen noch Englisch oder eine andere Sprache beizubringen. Einen Effekt erzielt man allerdings, wenn Kinder zwei Sprachen täglich sprechen.
  3. Auch Erwachsene können eine Fremdsprache lernen, wenn sie ein gutes Ohr und gutes Gedächtnis haben. Ob Jung oder Alt: Wer eine fremde Sprache wie seine Muttersprache beherrschen will, muss sehr fleißig sein und begabt. Maximal 15 Prozent derjenigen, die das unbedingt wollen, schaffen es auch.
  4. Wer eine Sprache lernt, vergrößert sein Gehirn, zumindest den Teil des Gehirns, der für Sprache zuständig ist. Wenn wir die Sprache aber nicht mehr sprechen, schrumpft das Gehirn wieder.
  5. Wer ein größeres Gehirn hat, macht weniger Fehler als Leute mit einem kleinen. Das beweist ein Experiment: Kinder sollen Karten zuerst nach Farben, dann nach ihrer Form sortieren. Zweisprachige Kinder machen weniger Fehler als einsprachige.
  6. Wer ein großes Gehirn hat durch seine Mehrsprachigkeit, fährt besser Auto als der einsprachige. In einem Experiment ließen sich mehrsprachige Autofahrer viel weniger ablenken: Sie kamen nicht aus der Spur.
  7. Ein Dialekt ist wie eine Fremdsprache, aber auch Spezialsprachen sind wie Fremdsprachen. Der Wissenschaftler erzählt ein Beispiel: Wer mit dem Bundespräsidenten spricht, äußert sich anders, als wenn er mit seinen Freunden spricht. „Und das ähnelt dem Sprechen in einer Fremdsprache.“

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Thüringer Allgemeine, Friedhof der Wörter, 20. Juli 2015

Quelle: Süddeutsche Zeitung „Dialektlernen vergrößert das Gehirn“ (Bayern-Teil, 15. Juli 2015)

 

 

 

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