Anne Will in der Gender-Falle: Mitgliederinnen und Mitglieder

Geschrieben am 22. Januar 2018 von Paul-Josef Raue.
Anne Will moderiert ihre Talkshow am Sonntag nach dem Tatort. Foto: NDR

Anne Will moderiert ihre Talkshow am Sonntag nach dem Tatort. Foto: NDR

Sie hat es gut gemeint in ihrer Talkshow: Anne Will dachte an die weiblichen Zuschauerinnen, als sie fragte: „War Angela Merkel jemals so in der Hand der Sozialdemokraten, zunächst der Delegierten, dann noch“ – und jetzt stolpert sie in die sprachliche Gender-Falle – „der Mitgliederinnen und Mitglieder.“

Nun ist das „Mitglied“ sprachlich weder Mann noch Frau, sondern eine Sache wie das Kind und das Weib – und auch gendermäßig einfach ein Neutrum.

Info:

Wer nachschauen will: Nach knapp neun Minuten sind die „Mitgliederinnen“ zu hören.

3 Kommentare

  • MITGLIEDERINNEN UND MITGLIEDER

    Ich spreche aus Erfahrung. In die GENDERFALLE – Kompliment für diesen Begriff – tappt man schnell selbst. Sogar in dem kurzen o. a. Hinweis zur Anne Will Sendung. Die Kritik teile ich inhaltlich voll und ganz, denn sie ist berechtigt. Solche Fallen sind m. E. das Resultat der Sprachklempner und Sprachkonstrukteure einer selbst ernannten Gender-Elite, die allen Menschen ihre Gender-Sprache aufzwingen will. Die Begründungen dafür sind bizarr.

    Weibliche Zuschauerinnen, hm – wie sehen wohl männliche Zuschauerinnen aus? Da ist sie: die Gender-Falle. Der Plural „die Zuschauer“ beinhaltet bereits alle Geschlechter. Wenn man ihn benutzt, tappt niemand – egal welchen Geschlechtes – in die Gender-Falle.
    „Gutes Deutsch und Wort und Sinn kann so einfach und schön sein“, sagte immer unsere Deutsch-Lehrerin Frl. Stubbe. Ein HOCH auf die Deutschlehrer.

    • „Weibliche Zuschauer“ wäre am genauesten gewesen, denn die wollte Anne Will mit ihrem peinlich-absichtlichen Versprecher anscheinend korrekt „inkludieren“, obwohl die Frauen als (Partei-)Mitglieder doch längst und schon immer auch sprachlich dabei waren. Wenn das nicht so wäre, müssten wir ja bald von „Kinderinnen“ sprechen, wo wir kleine Mädchen meinen. Das neue Mode-Fremdwort „inkludieren“ soll in diesem Zusammenhang übrigens Wissenschaftlichkeit vortäuschen wo Gender-Politik drin ist. Solche Kaschierung schlechter und schlechtester politischer Absichten durch wissenschaftlich daherkommende Termini ist im deutschen Sprachgebiet bezeichnenderweise gerade für 1933-1945 gut belegt.

  • Zwei zutreffende Stellungnahmen der beiden Herren. Besser kann man es nicht formulieren.

    Bis heute ist mir unbegreiflich, warum aus einer verständlichen Sprache mittels willkürlich konstruierter Wortkreationen die eigene Muttersprache verhunzt wird. Wer hat warum daran ein Interesse? Und dass der Plural alle einschließt, das ist so klar wie der wolkenlose Himmel an einem herrlich frischen Sommertag, an dem doch auch niemand Interesse an Wolken und Regen hat. Oder? Hm – vielleicht die Bauern. Wie ticken eigentlich diese Gender-Studies Geschlechterprofessorinnen? Treffen die sich abends beim Griechen oder bei der Griechin?

    Der Engel, die Engel. Die Engelinnen gibt es nicht. Man kann sich da rasch im Gestrüpp der Genderei verlaufen. Genau das ist wohl der Kollegin Anne Will passiert.

    Aber okay, ich bin weder Journalistin, Lehrerin noch Linguistin, einfach nur an verständlicher Sprache interessiert, und ein wenig an Politik. Daher habe ich bemerkt, dass die Franzosen diesen Genderkram abgeschafft haben in allen öffentlichen Verwaltungen, zugunsten einer lesbaren und sprechbaren Sprache. Warum folgen wir dem Beispiel Macrons nicht, den doch hier alle so gut finden? Ich übrigens auch. Er sieht halt verdammt gut aus.
    Oh, war das jetzt sexistisch? Droht mir als Frau jetzt auch noch #metoo?

    Das männliche Geschlecht hat`s nicht mehr leicht…Wer macht uns künftig noch spontane Komplimente?

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