Juden, Muslime und Christen segnen gemeinsam das neue Haus der „Braunschweiger Zeitung“

Geschrieben am 21. Oktober 2014 von Paul-Josef Raue.
Geschrieben am 21. Oktober 2014 von Paul-Josef Raue in Aktuelles, Lokaljournalismus, O. Zukunft der Zeitung.

Das hat es wohl noch nie gegeben: Die vier großen Religionen schicken ihre Vertreter auf die Bühne des Versammlung-Saals der Braunschweiger Zeitung, die gestern vom Rand der Stadt ins Zentrum gezogen ist. Erst sprachen Geschäftsführer Wahls, dann Niedersachsens Ministerpräsident und Braunschweigs Oberbürgermeister – dann trat vor den vierhundert Gästen der ehemalige Domprediger Hempel ans Mikrofon und kündigte vier Segenssprüche an.

> Die Leiterin der Jüdischen Gemeinde begann mit einem Psalm-Wort: „Wenn der Ewige nicht das Haus baut, mühen sich die vergeblich, die daran bauen.“
> Der katholische Priester hofft auf ein „Haus des respektvollen Umgangs“.
> Der Leiter der muslimischen Gemeinden segnet mit dem barmherzigen Allah.
> Und die lutherische Dompredigerin zitiert den Propheten Jeremia: „Suchet der Stadt Bestes und sprecht Gedanken des Friedens und nicht des Leides.“

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Detailreicher der Liveticker der Braunschweiger Zeitung:

+++14:08+++ Den Reden im Kongresscenter folgen vier interreligiöse Segenswünsche, eingeleitet vom ehemaligen Braunschweiger Domprediger Joachim Hempel: „Das waren noch Zeiten, als Sprücheklopfer auch an der Langen Straße zwischen Andreas, Petri und der Franziskaner-Klosterkirche gut zu tun hatten: Kein Fachwerkhaus ohne Sinnspruch und Segenswort über Tür und Tor: ehrbares Handwerk!“, sagte er.
„Diese Form der Sprücheklopfer ist ausgestorben. Aber wer zurückkehrt von der Peripherie in die Mitte der alten Stadt – der hat Anspruch auf einen Glück- und Segenswunsch fürs Haus und für alle, die hier ein- und ausgehen. Und dieser Segenswunsch kommt von Juden, Christen und Muslimen gemeinsam, je in eigener Art, aber doch wohl erstmalig für ein Presse- und Medienzentrum in Deutschland eben gemeinsam: Segenssprücheklopfer des 21. Jahrhunderts mitten in unserer geliebten Stadt!“

+++14:10+++ Renate Wagner-Redding, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Braunschweig, sprach in Vertretung für Landesrabbiner Jonah Sievers: „Herr der Welt: Gib, dass alle die hier arbeiten, dies zusammen in Harmonie und zum Wohle unserer Stadt tun. Er möge allen Mitarbeitern bei ihrer schwierigen Suche nach der Wahrheit beistehen, auf dass sie niemals das Gebot „Du sollst nicht als Verleumder in deinem Volke umhergehen“ (Lev 19,16) überschreiten und die Macht ihrer Worte immer weise abwägen: „Durch Weisheit wird ein Haus gebaut, durch Verstand wird es erhalten. Durch Klugheit werden die Kammern gefüllt mit allerlei wertvollen, köstlichen Gütern“ (Spr. 24,3-4).“

+++14:11+++ Hayri Aydin, der Vorsitzende des Rats der Muslime in Braunschweig, sagt:
„Ich wünsche Ihnen, dass Sie auch zukünftig immer zuerst fragen: Wer will was wissen?, und immer den Menschen im Blick haben. Keinen Tag soll es geben, an dem Sie sagen müssen: Niemand ist da, der uns hört. Keinen Tag soll es geben, an dem Sie sagen müssen: Niemand ist da, der uns liest. Keinen Tag soll es geben, an dem Sie sagen müssen, niemand ist da, der uns hilft.“

+++14:13+++ Die Braunschweiger Dompredigerin Cornelia Götz sagt, ein Haus zu segnen sei zwar nicht protestantisch – aber den Menschen, die in diesem Haus ein- und ausgehen, arbeiten, denken, Meinungen bilden und Urteilsfindung begleiten, Gottes Segen für ihr Tun und Lassen zu wünschen, sehr wohl. „So möge, was hier geschieht und von hier ausgeht der Stadt Braunschweig Bestes suchen, dem Frieden dienen und für die Zukunft förderlich sein“, sagt sie. „Möge es gelingen, bei der Wahrheit zu bleiben und unserem Nächsten zu dienen, wer immer es ist. Und möge in allen Herausforderungen und Schwierigkeiten nicht vergessen werden, dass Gott uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben hat, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“

++ Für die Katholiken spricht Propst Reinhard Heine: „Segne dieses Haus. Erfülle die Menschen, die in ihm ein und ausgehen, mit dem Geist der Wahrheit und der Liebe. Lass dieses Haus ein Ort eines respektvollen und wertschätzenden Umgangs miteinander sein.“

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