Alle Artikel mit dem Schlagwort " Design"

Endlich! Die Süddeutsche „in dezent anderem Gewand“

Geschrieben am 7. Juli 2012 von Paul-Josef Raue.

Ohne Pauken, ohne Trompeten kündigt die Süddeutsche an, am Montag das Blatt aufzuräumen: Neue Schrift, weniger Staub, leichtere Orientierung. Die Bilder sollen nicht größer werden, die Texte nicht kürzer, wenn sie nur gut sind.

So schreibt Kurt Kister, der Chefredakteur, am heutigen Samstag auf der Titelseite: „Schrift-Wechsel. Von Montag an erscheint die SZ in dezent anderem Gewand“. Nichts Konkretes ist zu lesen, dennoch sind die 75 Zeilen Relaunch-Ankündigung ein Muster für alle, die ihren Lesern (und Redakteuren) die Furcht vor der Veränderung nehmen wollen:

1. Nichts andern! Denn – „Zeitung ist auch Gewöhnung und Ordnung“. Und, nächste Warnstufe: „Eine Veränderung des Erscheinungsbildes ist riskant, denn für viele Leser gibt es nichts Schlimmeres als das Gefühl, die Zeitung sei nicht mehr das, was sie früher war.“

2. Doch ein bisschen ändern! Ein bisschen modern! Denn „manchmal muss man Altbewährtes auch behutsam verändern, es den Zeitläuften anpassen und hie und da modernisieren.“ Man lese genau: Um aufs Moderne hinzuweisen, wird die Sprache ganz alt: „Altbewährtes“ (als wenn es Neubewährtes gibt), „Zeitläufte“ (damit ja keiner dem „Zeitgeist“ verfällt), „hie und da“.

3. Aha! Wir müssen ändern, damit uns die Leser nicht weglaufen! Denn – „eine Tageszeitung, die sich nicht verändert, bleibt stehen.“ Und übrigens haben wir uns „ohnehin immer wieder in kleinen Schritten verändert“. Nur – wie bei allen Zeitungen – machen solche planlosen Veränderungen die Ordnung selten besser, aber den Leser verwirrter und das Chaos chaotischer. Ein paar Zeilen weiter ist der Chefredakteur auch ehrlicher: Wir müssen aufräumen.

4. Wir treiben es aber nicht so wild wie andere Zeitungen! Denn – „manche Kollegen in anderen Zeitungen haben mit gewaltigen Relaunches ihre Leser mehr verschreckt als animiert.“ Ein Schelm, wer an die Frankfurter Rundschau denkt, die – wohl im Kontrast zur SZ – kein „ordentliches Blatt“ ist.

Wen nur meint Kurt Kister, wenn er schreibt: „Es gibt einen bestimmten neuen Typ eher kleinformatiger, etwas bunter Blätter mit nicht ganz so langen Texten, die bei Zeitungsdesignern beliebt sind, von vielen Lesern allerdings weniger geschätzt werden“?

Und wer legt bei der SZ die Designerhand an?

5. Wir haben den Designer-Jargon auch drauf, selbst wenn wir ein ordentliches Blatt sind! Die neue Schrift („evolutionär“!) ist „moderner, vielfältiger verwendbar und gefälliger“. Das sagt wenig, klingt aber gut.

„Mehr am Montag“, so schließt der Chefredakteur. Mehr am Montag.

(zu: Handbuch-Kapitel 40 „Das Layout“)

Lukas Kircher beklagt „Defätismus“ im Journalismus

Geschrieben am 27. Juni 2012 von Paul-Josef Raue.
0 Kommentare / Geschrieben am 27. Juni 2012 von Paul-Josef Raue in Aktuelles, Online-Journalismus.

Lukas Kircher, Deutschlands meist gefragter Zeitungsgestalter, wundert sich über die „Selbstzerfleischung im Journalismus“ und folgert daraus:

Journalisten fehlt ein Feind, der sie zu Höchstleistungen antreibt. Ich wünsche den Journalisten einen guten Feind.

Beim Horizont-Zeitungsgipfel in Wiesbaden stellte Lukas Kircher das Design der Zukunft vor, das er zu drei Viertel für Tablets entwickelt. Bei den Zeitungen entdeckt er eher Stagnation:

Die neuen Designs für Zeitungen erinnern mich mehr an die 100.000-Kilometer-Wartung für ein Auto als an die Entwicklung für ein neues Auto.

(zu: Handbuch-Kapitel 40 „Das Layout“ + „Welche Zukunft hat der Journalismus“ (Schlusskapitel Seite 341ff))

„Blut, Schweiß und Tränen haben im Druck nichts verloren“ (Zitat der Woche)

Geschrieben am 6. Mai 2012 von Paul-Josef Raue.
0 Kommentare / Geschrieben am 6. Mai 2012 von Paul-Josef Raue in Aktuelles.

Für einen Kreativen sind Ideen das einzige Kapital… Was mich ärgert, ist die Behauptung, ein Urheber leiste nicht mehr als bloßes Remixen. Bei Illustrationen macht die Verschiebung einer Linie um einen Zentimeter nach rechts oder links oft den entscheidenden Unterschied aus. Das kostet viel Mühe, die aber nicht sichtbar werden darf.

Außer der Idee ist das Wichtigste bei meiner Arbeit deshalb, alle Spuren der Anstrengung zu verwischen und das Ergebnis federleicht aussehen zu lassen, spontan. Blut, Schweiß und Tränen haben im Druck nichts mehr verloren.“

Der Berliner Illustrator Christoph Niemann, 1970 in Waiblingen geboren, in einem Porträt von Andreas Platthaus (FAZ, Bilder und Zeiten, 5. Mai 2012). Niemann zeichnet neben anderen für den New Yorker, die New York Times und die Financial Times.

(zu: Handbuch-Kapitel 40ff„Layout“)

Design

Geschrieben am 24. März 2012 von Paul-Josef Raue.
0 Kommentare / Geschrieben am 24. März 2012 von Paul-Josef Raue in Aktuelles.

Design is so important, because chaos is so hard

Schrift auf dem Schaufenster eines Jugendstil-Geschäfts nahe der Bundespressekonferenz in Berlin

 

 

 

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