Grass und das „Wörterbuch des Unmenschen“
Günter Grass ist nicht der erste, der den von den Nationalsozialisten geprägten Begriff der „Gleichschaltung“ nutzt, wenn er von der Presse in einem demokratischen Staat spricht. Vor fünf Jahren sprach Eva Herman schon von der „gleichgeschalteten Presse“. Stefan Niggemeier kommentierte nach Hermanns Auftritt und Rauswurf bei „Kerner“ in seinem Blog:
„Das eigentlich Erschreckende ist, wie dumm jemand sein kann, wie ahnungslos, wie dilettantisch und laienhaft in einer Medienwelt, in der sie sich seit vielen Jahren professionell bewegt.“
Dumm ist Grass sicher nicht, aber auch er hat sich in seiner Opferrolle eingekuschelt (wie es Niggemeier 2007 über Eva Hermann geschrieben hatte).
Nobelpreisträger für Literatur haben bisweilen groben politischen Unsinn verbreitet, mit der Sprache sollten sie schon schonend umgehen können. Wenn Grass von „Gleichschaltung“ spricht, nutzt er einen Begriff der Nationalsozialisten; Gleichschaltung der Presse war das Diktat des Führers und des Propaganda-Ministers, damit alle derselben Ideologie folgen bis in die Wahl der Wörter hinein.
In einem Interview mit Heribert Prantl, heute in der “ Süddeutschen“ veröffentlicht (7. April 2012), sagt Grass:
„Ich rede nicht von der Gleichschaltung wie in einem totalitären Staat. Wenn in einer Demokratie der Eindruck von Gleichschaltung entsteht, ist das ja noch schlimmer.“
Dolf Sternberger schrieb mit anderen nach dem Krieg das „Wörterbuch des Unmenschen“, in das er die Phrasen der Unmenschlichkeit notierte. Auch wenn „Gleichschaltung“ nicht in Sternbergers Sammlung steht, so gehört das Wort zu denen, die typisch sind für die Ideologie der Nazis.
Was treibt den Nobelpreisträger an, die freie Presse in unserem demokratischen Staat mit der Presse im Nationalsozialismus nicht nur gleichzustellen, sondern als „noch schlimmer“ zu verhöhnen?
„Der Verderb der Sprache ist der Verderb der Menschen.“ (Aus dem Wörterbuch des Unmenschen)
Katholische Journalistenschule sucht Volontäre
Den Service-Teil haben wir im „Neuen Handbuch“ nahezu verdoppelt. Unter den Ausbildungsstätten finden Sie auch das „Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp)“, das bis zum 1. März Bewerber für die Ausbildung in katholischen Medien sucht; Ausbildungsbeginn ist im Oktober.
Die Volontäre durchlaufen eine zweijährige Ausbildung in der katholischen Presse oder im privaten Hörfunk und nehmen an der überbetrieblichen multimedialen Ausbildung des Instituts teil. Außerdem vermittelt das „ifp“. Voraussetzung für das Volontariat ist entweder das Abitur oder die Mittlere Reife sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung.
Zu den Absolventen gehören Bettina Schausten (ZDF), Thomas Gottschalk, Dr. Heribert Prantl (SZ), Stefan von Kempis (Radio Vatikan) und Klaus Brinkbäumer (Der Spiegel).
Kontakt und Informationen:
E-Mail: engelke@ifp-kma.de
Internet: www.ifp-kma.de
(zu: Handbuch Service F „Journalistenschulen“)
Es ist nicht Aufgabe der Medien, Rücktritt zu erzwingen
Heribert Prantl ist einer der größten Kritiker der Mächtigen, aber ihm reicht die Hatz:
„Es ist nicht Aufgabe der Medien, einen Rücktritt zu erzwingen… Wenn der Bundespräsident nicht zurücktritt, mag man das bedauern. Heikel und gefährlich wird es, wenn aus dem kräftigen Bedauern präpotente Rechthaberei wird zwischen der Presse und dem Präsidenten.“ (SZ, 9. Januar 2012)
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