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Anne Will in der Gender-Falle: Mitgliederinnen und Mitglieder

Geschrieben am 22. Januar 2018 von Paul-Josef Raue.
Anne Will moderiert ihre Talkshow am Sonntag nach dem Tatort. Foto: NDR

Anne Will moderiert ihre Talkshow am Sonntag nach dem Tatort. Foto: NDR

Sie hat es gut gemeint in ihrer Talkshow: Anne Will dachte an die weiblichen Zuschauerinnen, als sie fragte: „War Angela Merkel jemals so in der Hand der Sozialdemokraten, zunächst der Delegierten, dann noch“ – und jetzt stolpert sie in die sprachliche Gender-Falle – „der Mitgliederinnen und Mitglieder.“

Nun ist das „Mitglied“ sprachlich weder Mann noch Frau, sondern eine Sache wie das Kind und das Weib – und auch gendermäßig einfach ein Neutrum.

Info:

Wer nachschauen will: Nach knapp neun Minuten sind die „Mitgliederinnen“ zu hören.

Journalisten müssen mehr moderieren – Interview mit Medien-Professor Hans-Jürgen Bucher (Teil 1)

Geschrieben am 20. Januar 2018 von Paul-Josef Raue.
Hans-Jürgen Bucher ist Professor der Medienwissenschaft Trier. TV-Foto (2013) Marcel Wollscheid

Hans-Jürgen Bucher ist Professor der Medienwissenschaft Trier. TV-Foto (2013): Marcel Wollscheid

Hans-Jürgen Bucher war der erste Professor, als vor zwanzig Jahren die „Medienwissenschaft“ in Trier gegründet wurde. Zum Jubiläum, das am Samstag (27. Januar 2018) gefeiert wird, sprach ich mit Professor Bucher über das Verhältnis von Medienwissenschaft und Journalisten, die Ausbildung von  Journalisten in den USA und in Deutschland sowie den Unwillen von Journalisten an der Weiterbildung.

 

Herr Professor Bucher, Medienwissenschaftler und Journalisten in Deutschland scheinen in verschiedenen Welten zu leben. Was läuft da schief?

Nichts, ich sehe darin kein Problem, sondern eine Chance: Journalisten und Medienwissenschaftler müssen in zwei verschiedenen Welten leben. Täten sie das nicht, würden sich die wechselseitige Kritik und Befruchtung aufheben. Journalismus unterliegt z.B. der Aktualitätsmaxime, was für die Wissenschaft nicht gelten kann, die an langfristigen Erkenntnissen – genannt Grundlagenforschung – interessiert sein muss. Journalismusforschung ohne Distanz zum Journalismus ist rein logisch gar nicht möglich – wenn sie nicht zur Reportage über Journalisten verkommen möchte (was es natürlich auch manchmal gibt).

Das hört sich nett an: Wechselseitige Befruchtung. Die setzt aber Begegnung voraus: Wie kommen nun Medienwissenschaftler und Journalisten in einen Dialog?

 Zum Beispiel dadurch, dass man sich gegenseitig zu Tagungen einlädt, wie wir das in der Trierer Medienwissenschaft bei einer Tagung zur journalistischen Qualität getan haben. Auch anwendungsorientierte Forschungsprojekte in Kooperation mit Redaktionen sind ein guter Weg, in einen Dialog zu kommen. Wir haben das bei verschiedenen Relaunch-Projekten von Zeitungen ebenso praktiziert wie bei der Evaluierung von Online-Angeboten.

Sie lehrten als Gastprofessor in den USA, wo die Kommunikation zwischen Redaktionen und Wissenschaft alltäglich ist. Dort werden alle Redakteure an Universitäten ausgebildet. Wäre  das ein Vorbild für uns?

 Diese Frage wird für die Journalistenausbildung in Deutschland gestellt, seit sich Karl Jäger und Emil Dovifat in den 1920er-Jahren mit den viel älteren US-amerikanischen Universitäts-Curricula für Journalisten befasst haben. Beide haben darauf hingewiesen, dass bei einem Vergleich der Ausbildungswege auch die Unterschiede zwischen den Journalismus-Kulturen in den beiden Ländern zu berücksichtigen sind.

Beide beurteilen demzufolge die universitäre Journalisten-Ausbildung in den USA als „Drill“ und „Berufsausbildung“, während in Deutschland, damals wie heute, der Ansatz einer „Berufsbildung“ oder „Berufsvorbildung“ – wie es bei Jäger heißt – verfolgt wird.

Also doch unser „Learning by doing“ mit ein bisschen Journalistenschule zwischendrin?

Man kann lange darüber streiten, welches der bessere Weg ist. Im Grund haben wir in Deutschland ja beide Modelle: Auf der einen Seite die stark am Beruf ausgerichteten Studiengänge, beispielsweise in Dortmund und Leipzig oder an den Hochschulen Darmstadt und Bremen; auf der anderen Seite die stärker wissenschaftlich ausgerichteten Studiengänge, die wissenschaftliches Wissen über Medien und Journalismus im Sinne eines Orientierungswissens für den späteren Beruf vermitteln.
Ich persönlich halte den zweiten Weg angesichts der hohen Dynamik der Medienentwicklung derzeit für nicht verzichtbar: Universitäten können nicht ein Volontariat ersetzen, und sie sind auch keine Fachhochschulen für die Berufsausbildung.

Hat das zur Folge, dass ein angehender Medienwissenschaftler dem Journalismus fern bleibt, nie in eine Redaktion schaut?

Es spricht überhaupt nichts dagegen, in das zu vermittelnde Orientierungswissen auch die Perspektive der aktuellen Medienpraxis einzubeziehen, sei es durch Lehrbeauftragte aus dem Journalismus, verpflichtende Praktika und medienpraktische Lehrveranstaltungen oder – wie wir das in Trier praktizieren – durch eine Honorarprofessur, die von einem Medienpraktiker und Medienberater besetzt ist.

Gehört die Journalistenausbildung also, wenn überhaupt, an die Fachhochschule? Oder in die großen Akademien der Konzerne wie bei Springer oder RTL?

Viele Wege führen in Deutschland in den Journalismus, und das halte ich für einen Vorteil und keinen Nachteil. Die Anforderungen in den verschiedenen Redaktionen sind auch so unterschiedlich, dass es falsch wäre, den Berufszugang auf ein Modell zu beschränken. Der Redakteur bei der ZEIT braucht andere Qualifikationen als ein Lokaljournalist oder der Video-Reporter für ein Online-Magazin.
Entscheidend ist, dass die Weiterbildungsangebote auch nach dem Abschluss der ersten Phase einer hochschulgebundenen Ausbildung vorhanden sind. Hier würde meine Kritik ansetzen – auch aus der eigenen Erfahrung an einer Journalistenschule: Kaum ein Berufsstand ist so weiterbildungsresistent wie Journalisten. Würde sich das ändern, hätte das gravierende Auswirkungen auf die Qualität der verschiedenen Medienangebote.

Steckt die Journalismus-Forschung bei uns, im Vergleich zu den USA, noch in den Kinderschuhen?

Nein, das Gegenteil erleben Sie immer wieder in Forschungs-Kooperationen und auf internationalen Tagungen: Die Journalismusforschung hat in Deutschland in den letzten 40 Jahren eine eigenständige Entwicklung genommen, mit einer gründlichen theoretischen Fundierung, die es so in den USA nicht gegeben hat. Diese Entwicklung spiegelt sich auch darin, dass für den Journalismus und die Journalismusforschung eine vorbildliche deutschsprachige Einführung- und Fundierungs-Literatur vorliegt.

Wolf Schneider, einer der Großen des Journalismus, rät dringend ab, Germanistik, Soziologie, Psychologie und Kommunikationswissenschaften zu studieren. Ein junger Mensch verplempere dafür Jahre seines Lebens. Woher kommt diese weit verbreitete Verachtung des Akademischen im Journalismus?

Ich halte das für keine Mehrheitsmeinung. In ihrer Pauschalität leisten sie auch populistischen, anti-intellektuellen Strömungen Vorschub. Dahinter scheint mir die Auffassung zu stecken, dass Journalismus ein Begabungsberuf ist, den man nicht erlernen kann. Je komplexer die Medienlandschaft wird, umso weniger ist es ausreichend, nur gute Texte schreiben zu können. Im Übrigen hätten Wolf Schneiders Bücher zum journalistischen Schreiben eine bisschen mehr akademisch-linguistisches Basiswissen gut getan.

Sie sind einer der wenigen Professoren, der aus dem Journalismus kommt. Zwar wollten Sie eigentlich Sportlehrer werden, aber gingen nach dem Referendariat in die Wissenschaft, promovierten und lehrten als Dozent am Haus Busch, einer der bedeutenden Ausbildungs-Stätten in den achtziger und neunziger Jahren. Warum volontierten Sie dann noch beim Schwäbischen Tagblatt in Tübingen?

Ich wollte – neben meiner Neugier – wissen, ob meine Ideen für einen guten Journalismus auch praxistauglich sind. Wir hatten an der Journalistenschule das Konzept „Textdesign“ entwickelt  – also die Idee, dass Form und Inhalt auch im Journalismus zusammengehören und deshalb Design nicht Verpackungskunst ist, sondern Teil des Journalismus.

Ich hatte bereits während meiner Promotion zu einem Pressethema verschiedene Praktika bei der Lokalzeitung in Tübingen, dem Schwäbischen Tagblatt, absolviert und dabei ein Volontariats-Angebot erhalten, das der damalige Chefredakteur mir für einige Zeit offen gehalten hat. Ich habe das Angebot dann aufgegriffen, da das Schwäbische Tagblatt damals als eine der innovativsten und besten Lokalzeitungen in Deutschland galt.
Die „taz“ beschrieb es 2004 als „eine journalistische Blüte im Sumpf einer von kleinmütigen und buchhalterischen Verlegern beherrschten Zeitungslandschaft“. Die erschien mir als gute Lehrstelle mit den entsprechenden Freiräumen zum Ausprobieren unkonventioneller Ideen – was sich auch bestätigt hat.

„Der Kontrast zum langatmigen wissenschaftlichen Arbeiten kam mir damals sehr entgegen“, zitiert sie die Süddeutsche Zeitung. Haben Sie in den zwei Jahrzehnten als Hochschul-Lehrer die Brücke schlagen  können: Weniger langatmig, mehr knapp und hilfreich?

Zumindest kam mir beim Aufbau des Studienganges „Medienwissenschaft“ an der Universität meine journalistische Praxiserfahrung sehr zu Hilfe. Ich hatte ja nach der Zeitung noch als Hörfunkjournalist im Tübinger Landestudio des SWR – der damals noch SWF hieß – gearbeitet und auch journalistische Weiterbildungsseminare an verschiedenen Universitäten und Einrichtungen angeboten.

Sehr früh gelangte dann – dank produktiver Kontakte zu früheren Kollegen an der Journalistenschule – der Online-Journalismus in mein Weiterbildungs-Portfolio, an dem die Relevanz des Konzeptes „Textdesign“ noch offensichtlicher geworden ist: Im Internet ist Design der Schlüssel zum Inhalt. Die Denomination der Trierer Professur als Printprofessur habe ich dann von Beginn auf „Print- und Online-Professur“ ausgeweitet.

Die Trierer Medienwissenschaft war ein der ersten universitären Studiengänge, in denen das Internet zum festen Bestandteil des Curriculums und auch der Forschung gehörte. Insofern: ja die publizistische Praxis hat Eingang in meine akademische Tätigkeit gefunden und auch meine Forschungsinteressen maßgeblich beeinflusst.

Teil 2 folgt

Eine Zusammenfassung des Interviews in meiner Kolumne JOURNALISMUS! auf „kress.de“.

Medien und ihr moralisierendes Skandalisieren

Geschrieben am 11. Januar 2018 von Paul-Josef Raue.
0 Kommentare / Geschrieben am 11. Januar 2018 von Paul-Josef Raue in Aktuelles, M. Presserecht und Ethik, Recherche.
Der Schriftsteller Bernhard Schlink. Foto: Alberto Venzago - Diogenes Verlag

Der Schriftsteller Bernhard Schlink. Foto: Alberto Venzago – Diogenes Verlag

Heute würde Olga über die Medien spotten, die das Recherchieren verlernt und durch moralisierendes Skandalisieren ersetzt haben.

Bernhard Schlink in seinem neuen Roman „Olga“ über eine beeindruckende Frau, die das vergangene Jahrhundert gelebt hat bis zur Neige – erst in Pommern als einfache Frau, die einen Gutsherrn liebte, aber nicht heiraten durfte, der in der Kolonie Ostafrika diente und auf einer Polarexpedition verschollen blieb. Olga wurde taub, blieb nach der Flucht in Heidelberg und fand manches, als zu groß geraten  – wie Bismarck, aufbegehrende Studenten und moralisierende Medien.

Verlagsmanagers Klage und Furcht: Journalisten wollen keine Veränderung

Geschrieben am 10. Januar 2018 von Paul-Josef Raue.

„Aber welcher Mensch ist schon lernfähig? Ich jedenfalls nicht“,

schreibt der Sportredakteur einer Regionalzeitung in einer Glosse. Er thematisiert allerdings  nicht die Unlust von Redakteuren, sich weiterzubilden, sondern fehlende dicke Socken. Beim Spanien-Trainingslager von Bundesliga-Fußballern „überrascht“ ihn ein Wintereinbruch – wie vor einem Jahr.

Die Lern-Unlust ihrer Redakteure beklagen die Verlagsmanager aus 29 Ländern laut einer Studie des „Reuters Institute for the Study of Journalism“ der Universität von Oxford. Egoismus und mangelnde Bereitschaft  zum Wandel seien die Gründe. Ein Verleger aus den USA:

„Dafür, dass so viel über Veränderung geredet wird, findet erstaunlich wenig Veränderung statt.“

Jeder dritte Manager sieht in der Unlust, Veränderungen zu akzeptieren, eine größere Gefahr als in der Machtpolitik von Google & Co.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 10. Januar 2018

Studie: Kritische Journalisten stehen politisch links

Geschrieben am 7. Januar 2018 von Paul-Josef Raue.
Vinzens Wyss ist Journalismus-Professsor in Winterthur (Schweiz). Foto: Uni

Vinzenz Wyss ist Journalismus-Professsor in Winterthur (Schweiz). Foto: Uni

US-Präsident Trump sieht sich verfolgt von linken Journalisten. Ein Interviewer des Magazins „New Yorker“ fragte den neuen, jungen Verleger Sulzberger:

„Ist nicht die New York Times eine Zeitung, in der Journalisten arbeiten, die links von der Mitte sind? Ist der Ton der Zeitung nicht links von der Mitte?“

Nein, antwortete Sulzberger jr.,

„wir haben uns einer altmodischen Idee verschrieben und geben die Nachrichten wieder, ,ohne Furcht oder Gefallen‘ (without fear or favor). Dies hatte mein Ururgroßvater Adolph Ochs in unser erstes Leitbild geschrieben hat. Das bedeutet für mich, aggressiv über die Welt zu berichten, nach der Wahrheit zu suchen, wohin sie auch führt. Wir bemühen uns, jede Seite der Geschichte zu verstehen und fair zu vermitteln.“

Unter den fünf meistgeklickten Kolumnen dieses Handbuch-Blogs ist die vor fünf Jahren erschienene: „Das Herz von Journalisten schlägt weit links.“ Vor kurzem kam eine Umfrage unter Journalisten in der Schweiz zu einem ähnlichen Ergebnis; die Journalismus-Forscher Vinzenz Wyss und Filip Dingerkus hatten für die „SonntagsZeitung“ Daten einer internationalen Journalismus-Studie ausgewertet:

  • Journalisten bei Zeitungen, national wie lokal, bei Magazinen und privaten Sendern ordnen sich so ein: 62 Prozent als links,  24 Prozent als rechts.
  • Fast 70 Prozent aller Journalisten beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk SRG bezeichnen sich als links. 16 Prozent verorten sich in der politischen Mitte. Und 16 Prozent sehen sich als rechts.

In der Umfrage wurde nach der politischen Einstufung auf einer Skala von 0 bis 10 gefragt:  0 steht  für links, 5 für Mitte und 10 für rechts. Kein Journalist der SRG verortete sich rechts außen bei den Werten 9 und 10; 7,4 Prozent stehen links außen bei den Werten 0 und 1.

Professor Wyss kommentiert das für ihn wenig überraschende Ergebnis:

„Der Journalismus thematisiert gesellschaftliche Konflikte, Irritationen, und es werden herrschende Machtverhältnisse infrage gestellt. Vermutlich korreliert die journalistische Kritik- und Kontrollfunktion nun mal stärker mit einem linken gesellschaftspolitischen Gedankengut.“

Die Gefahr einer einseitigen Berichterstattung sieht Wyss nicht. Man müsse zwischen der Rolle des Journalisten und der Rolle des Bürgers unterscheiden. „Ein linker Profijournalist kann ja auch eine linke Politikerin aus Distanz und kritisch befragen.“ Und wenn linke Journalisten nur über „linke Anliegen“ schreiben würden, käme die SVP ja viel seltener in den Medien vor. „Aber die Partei versteht es eben, die Aufmerksamkeitslogik der Medien zu bedienen, also wird häufig über sie berichtet.“

Auch die SRG, vergleichbar der deutschen ARD, bleibt entspannt, zumindest sagt ein Sprecher: „In der täglichen Arbeit spielt die politische Meinung der Journalisten keine Rolle, denn die Leitlinien verpflichten sie zu Ausgewogenheit.“

 

Trendforscher Horx: „Apple, Amazon, Google und Facebook werden scheitern“

Geschrieben am 4. Januar 2018 von Paul-Josef Raue.
Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx. Foto: horx.com

Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx. Foto: horx.com

Der Trend- und  Zukunftsforscher Matthias Horx sieht eine Renaissance der Zeitungen, zumindest der nationalen, die er „Qualitätszeitungen“ nennt. „Die Rache des Analogen“ sei zu spüren, „Digitalisierung wird übertrieben“, sagt er  in einem Interview mit der Nordwest-Zeitung (NWZ) zum Jahreswechsel,  „wir sind als Menschen analoge Wesen, zu viel Virtualität macht uns krank.“

Dagegen sieht er im Gespräch mit Jörn Perske dunkle Wolken über den  Zentralen der Digital-Giganten im Silicon-Valley aufziehen: Apple, Amazon, Google, Facebook und Uber werden, so Horx, in den nächsten Jahren in eine Krise geraten durch ihre Gier,  Monopole errichten zu wollen. „Daran werden sie scheitern. Es werden auch nicht 50 Prozent aller Jobs durch die Digitalisierung verschwinden – das ist Blödsinn.“

Die Menschen sehnen sich laut Horx nach Dingen zum Anfassen, nach Realität und schönem Design.

„Wir sind als Menschen analoge Wesen, zu viel Virtualität macht uns krank. Deshalb boomt schönes Papier und Lichtschalter, die „Klick“ machen.“

Die Digitalisierung werde abgelöst durch „Real-Digital“, einer Verbindung von dinglicher und digitaler Welt.

Von einem Trend der Gegenwart ließ sich der Zukunftsforscher überraschen: Der „grölende Populismus“ mit Trump und dem Brexit im Gefolge – und mit der AfD in Deutschland, die Horx aber nicht  verdrießlich stimmt.

„Man sieht einen Trend zur Gelassenheit. Viele Menschen verstehen inzwischen, dass es vor allem die Hysterien und Übertreibungen sind, die den bösartigen Populismus stärken. Man sieht auch, dass Deutschland nicht zusammenbricht, wenn es mal eine Zeit von Umorientierungen gibt und eine neue Regierung etwas dauert.“

Der schrille Ton in der Öffentlichkeit, die Übertreibungen, die jede Debatte zu einer Existenzfrage hochpeitschen, erzeugten allerdings den Eindruck, dass die Welt immer schlechter werde:

„Man hat das Gefühl, als ob aller Lärm der Welt gleich nebenan ist… Aber eigentlich ist das alles nur Zorn, Aufgeregtheit, leere Erregung. Dagegen hilft nur eine kluge Ignoranz, die nicht jeden Shitstorm ernst nimmt.“

 

Ein Synonym für Front: „Kontaktlinie“ (Zitat der Woche)

Geschrieben am 4. Januar 2018 von Paul-Josef Raue.
Der morgendliche Newsletter des Spiegel

Der morgendliche Newsletter des Spiegel

Außenminister Sigmar Gabriel ist zurzeit in der Ukraine, heute fährt er im Osten des Landes an die sogenannte Kontaktlinie, das ist, glaube ich, ein Synonym für Front. Euphemismus nennt man sowas.

Christiane Hoffmann aus dem Hauptstadt-Büro im Newsletter des Spiegel (Die Lage, 4. Januar 2018)

Vier wichtige Fragen in einem Vorstellungsgespräch

Geschrieben am 1. Januar 2018 von Paul-Josef Raue.

Diese Fragen dürften Chefredakteure und Ressortleitern helfen, Redakteure und Mitarbeiter zu finden, die gut sind und vor allem in das Team passen. Sie hat David Walker, Chef einer Immobilienfirma, aus tausend Vorstellungsgesprächen gefiltert:

  1. Wie hat Sie das Arbeitsklima beim vorangegangenen Arbeitgeber motiviert oder nicht motiviert?

Sprecht der Bewerber auf Kommando schlecht über das alte Arbeitsverhältnis? Oder kann er dem schlimmsten Arbeitgeber etwas Gutes abgewinnen?

  1. Wie war der beste Chef, den Sie jemals hatten?

Mag er ein Arbeitsklima, das offen ist, und bei dem der Austausch mit dem Chef sehr wichtig ist? Oder bevorzugt er direkte Anweisungen und einseitige Kommunikation?

  1. Wie haben Sie in der Vergangenheit einen Konflikt mit einem Kollegen gelöst?

Kandidaten sind ehrlicher, wenn sie über eine reale Situation sprechen. Egal wie toll das Arbeitsklima ist: Konflikte wird es immer geben.

  1. Wie oft möchten Sie Feedback erhalten und wie?

Heißt Feedback eine Messung seiner Leistung? Oder geht es auch um zwischenmenschliche Beziehungen? Denkt er, dass einmal im Jahr völlig ausreicht? Oder will er wöchentlich Feedback?

 

Quelle: Valentina Resetarits, Business Insider,1. August 2017)

Politikers Bilder-Worte: „Sprachgirlanden“ und „PR-Geklingel“

Geschrieben am 28. Dezember 2017 von Paul-Josef Raue.
Ralf Stegner ist stellvertretender SPD-Vorsitzender. Foto: Frank Schwichtenberg / Wikipedia

Ralf Stegner ist stellvertretender SPD-Vorsitzender. Foto: Frank Schwichtenberg / Wikipedia

Wer nicht auf den Punkt kommt, wer um den heißen  Brei herumredet, der schmückt mit „Sprachgirlanden“. Diese Girlanden hat Ralf Stegner entdeckt, der SPD-Vizechef,  sonst als eher fürs Grobe zuständig. Als „Sprachgirlanden“ bezeichnet er Versuche von CDU-Politikern, einen Kompromiss zu finden für den Familiennachzug für Flüchtlinge.

Schnell zog sich Stegner aber von der poetischen Sprache zurück und sprach von „PR-Geklingel“ eines CDU-Politikers. Das passt besser.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, 28. Dezember 2017

TV-Kritik: Kongeniale Dämlichkeit und Leberkäs-Semmel

Geschrieben am 27. Dezember 2017 von Paul-Josef Raue.
Herbert Knaup als Fugger in dem Fernsehfilm "Die Puppenspieler". Foto: ARD

Herbert Knaup als Fugger in dem Fernsehfilm „Die Puppenspieler“. Foto: ARD

Ein Verriß von Willi Winkler in der Süddeutschen Zeitung vom 27. Dezember 2017 und Antwort auf die Frage: Wovon träumt ein bekannter Schauspieler kurz vor der Drehpause?

Herbert Knaup als Fugger investiert, kauft, schmiert und verheiratet zwar tapfer, schaut aber dabei so desinteressiert, als wäre er mit dem Kopf nicht bei legendären Marktbeherrschungsplänen, sondern bei der Frage, wie er in der Drehpause an eine Leberkässemmel kommt.

Erwähnt sei auch der Zwischentitel:

Frauen werden an Pfähle gebunden. Die Dialoge sind von kongenialer Dämlichkeit

Zum ARD-Fernsehfilm am Mittwoch, 27. Dezember 2017 (und 2. Teil am Freitag): „Die Puppenspieler“

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